Fibromyalgie, wie kann Yoga helfen

Was ist Fibromyalgie?

Fibromyalgie heißt ins Deutsche übersetzt Schmerzen im Muskel und Bindegewebe. Da Muskeln und Bindegewebe im ganzen Körper vorkommen, nehmen Betroffene Schmerzen nahezu im ganzen Körper bzw. einen weit ausgebreiteten Schmerz wahr. Auch andere Krankheiten, z.B. rheumatische Erkrankungen können ausgebreitete Schmerzen verursachen. Diese Erkrankungen sollten ausgeschlossen werden bevor die Diagnose Fibromyalgie gestellt wird.

Medizinisch liegt bei der Fibromyalgie eine Störung der Schmerzregulationsfähigkeit vor. Normalerweise sind wir in der Lage Schmerzreize zu regulieren oder zu unterdrücken (z.B. in Stresssituationen). Diese Fähigkeit ist bei Menschen mit  Fibromyalgie stark eingeschränkt, so dass Reize ungefiltert an das Gehirn weitergeleitet und dort als Schmerz wahrgenommen werden. Zusätzlich bestehen Störungen des autonomen Nervensystems. Das autonome Nervensystem des Menschen ist mit dem Betriebssystem eines Computers vergleichbar, es regelt Vorgänge mit denen wir uns nicht beschäftigen wollen oder können, z.B. Verdauung, Wärmeregulation, Schlaf/Wachrhythmus und auch die Schmerzwahrnehmung. Eine Dysfunktion im autonomen Nervensystem führt zu einer erhöhten Schmerzempfindlichkeit und allgemeinem Unwohlsein. Viele Symptome der Fibromyalgie lassen sich hierdurch erklären. Zusätzlich wirken dauerhafte Schmerzen auch auf die Psyche, so dass die an Fibromyalgie erkrankten Menschen auch seelisch leiden.

 

Wie diagnostiziert man eine Fibromyalgie?

Bestehen ausgebreitete Schmerzen, zusätzlich noch andere Symptome wie z.B. Müdigkeit, Erschöpfung, Schwindel, vermehrtes Schwitzen oder Frieren und Verdauungsstörungen (Störungen des autonomen Nervensystems) und sind andere Erkrankungen ausgeschlossen, wird eine Fibromyalgie diagnostiziertDas heißt, bevor die Diagnose gestellt wird, sollte eine gründliche Untersuchung bei einem Arzt erfolgen.

 

Wie kann Yoga Menschen die an einer Fibromyalgie erkrankt sind unterstützen?

Yoga wirkt auf verschiedene Systeme unseres Körpers, die sich gegenseitig beeinflussen und miteinander vernetzt sind.

Diese Systeme sind das Bewegungs- und Haltungssystem, autonome Steuerungssysteme wie das autonome Nervensystem und das mentale System (Dalmann, Soder 2013).

Eine Yogapraxis besteht aus drei wesentlichen Übungsschwerpunkten, die auf diese Systeme wirken und Impulse geben:

 

·      Asanas                 -          Körperübungen

·      Pranayama         -          Atemübungen

·      Meditation          -          Konzentrationsübungen

 

Beim Üben der Asanas steht der Köper im Mittelpunkt. Asanas sind spezifische Körperübungen wie z.B. Vorbeugen, Rückbeugen, Drehungen, Seitbeugen und Streckungen. Die Bewegungen werden mit dem natürlichen Atemfluss verbunden. Durch die Vielfalt der Asanas wird die Muskulatur durchblutet und angeregt, Koordination wird geübt und Muskulatur wird gekräftigt und stabilisiert, gedehnt und entspannt. Mit Hilfe der verschiedenen Asanas können schmerzhafte körperliche Funktionsstörungen wie z.B. Muskelverspannungen, Triggerpunkte (schmerzhafte Muskelpunkte) und Einschränkungen der Beweglichkeit von Gelenken (Blockierungen) positiv beeinflusst werden. Oft liegen diesen Befunden eine mangelnde muskuläre Stabilisation von Gelenken und Wirbelsäule sowie Störungen der Bewegungsabläufe und der Bewegungskoordination zugrunde. Mit Hilfe einer regelmäßigen und individuell angepassten Asanapraxis können diese Defizite abgebaut und der Entstehung neuer schmerzhafter Befunde vorgebeugt werden.

 

Yoga widmet dem Atem eine große Aufmerksamkeit. Bewegungsübungen werden mit dem Atem koordiniert und dies führt zu einer Rhythmisierung von Atmung und Bewegung. Spezielle Atemtechniken (Pranayama) werden zur Verbesserung des Atems und der Atemqualität eingesetzt.

Ist das autonome Nervensystem  gestört, dann können die Rhythmisierung von Atmung und Bewegung, die Betonung der Ausatmung  und das Pranayama stabilisierend und ausgleichend wirken.

 

Yoga wirkt auch auf unser mentales System, also auf unser Erleben, Fühlen und Denken.

Die Art und Weise wie wir Krankheit oder Schmerz erleben, wie wir die Welt um uns herum wahrnehmen, welche Gedanken wir uns dazu machen, ist von vielen Einflüssen und Erfahrungen geprägt und häufig folgen wir bekannten, erfolgreichen oder weniger erfolgreichen Mustern. Das Yoga Sutra lehrt uns, dass wir in einem gewissen Rahmen Einfluss darauf haben, wie wir die Wirklichkeit erleben und welche Haltungen wir dazu einnehmen. Durch Körperübungen können wir erleben, dass unser Körper stabiler wird, Atemübungen helfen uns zu entspannen und auch geistig zur Ruhe zu kommen, in der Meditation geht es um die Art und Weise wie wir denken. In der Meditation lernen wir uns gedanklich zu sammeln, uns zu reflektieren und innerlich von negativen Gedanken zu distanzieren sowie zur Ruhe zu kommen.  

 

 

Literatur

Dalmann I ,Soder M.  Wie Yoga wirkt. in Heilkunst Yoga. Yogatherapie heute. Dalmann I, Soder M (Hrsg.), Viveka Verlag 2013: 98-116